Logo der JKU

Rückblick "Studienpräsentation
Familienunternehmen in Oberösterreich"

 

Veranstaltung am 09.06.2008 an der Johannes Kepler Universität Linz

Univ.-Prof. Dkfm. Dr. Gerhard Wührer,
Prok. Mag. Andreas Steiner-Posch,
Mag. Ulrike Rabmer-Koller,
Univ.-Prof. Dr. Michael Tumpel (v.l.n.r)

Am Montag, den 9. Juni 2008, luden die Institute für Controlling und Consulting, für betriebliche Finanzwirtschaft, für Unternehmensrechnung und Wirtschaftsprüfung, für betriebswirtschaftliche Steuerlehre, die Investkredit Bank AG, die Wirtschaftskammer Oberösterreich sowie der Linde Verlag zur Studienpräsentation „Familienunternehmen in Oberösterreich“ ein. Begrüßt wurden die rund 70 Teilnehmer durch Univ.-Prof. Dkfm. Dr. Gerhard Wührer, Dekan der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, welcher das gelungene Forschungsprojekt würdigte und die fruchtbare Zusammenarbeit betonte. Darüber hinaus wies er darauf hin, dass dem Thema „Familienunternehmen“ in der österreichischen, primär auf Großunternehmen abgestellten Forschungslandschaft bisher zu wenig Beachtung geschenkt wurde, obwohl zwischen 70 und 80% aller österreichischen Unternehmen Familienunternehmen darstellen.

Univ.-Prof. Dr.
Feldbauer-Durstmüller,

Anschließend erfolgte die Präsentation der Studienergebnisse durch Univ.-Prof. Dr. Birgit Feldbauer-Durstmüller, Univ.-Prof. Dr. Helmut Pernsteiner sowie Univ.-Prof. Dr. Roman Rohatschek. Ziel der empirischen Untersuchung war es, finanzwirtschaftliche Aspekte des Controllings, der Unternehmensrechnung und Wirtschaftsprüfung sowie des Finanzmanagements in (mittleren und großen) Familien-unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten zu erheben. Es zeigte sich deutlich, dass die verfolgten Ziele in Familienunternehmen kaum zu Nicht-Familienunternehmen differieren. Entgegen der weit verbreiteten Meinung sowie vorliegender Studien konnte festgestellt werden, dass neben monetären Zielen auch Humanziele, wie Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit in ähnlich hohem Ausmaß verfolgt werden. Familienunternehmen geben sich aber im Vergleich zu Nicht-Familienunternehmen mit geringeren Eigenkapitalrenditen zufrieden.

Univ.-Prof. Dr.
Helmut Pernsteiner

Des Weiteren konnte ein hoher Grad an Professionalisierung beim Einsatz strategischer und operativer Controlling-Instrumente festgestellt werden. Bei den strategischen Controlling-Instrumenten sind insbesondere klassische Instrumente wie Kennzahlensysteme, Investitionsrechnungen, Konkurrenz-, Stärken-/Schwächen- und Branchenanalysen weit verbreitet. Moderne Instrumente wie die Balanced Scorecard kommen sowohl in mittleren Familien- als auch in Nicht-Familienunternehmen (50 - 249 Mitarbeiter) nur in geringem Umfang zum Einsatz. Bei den großen Familienunternehmen ab 250 Mitarbeiter zeigt sich die Professionalität dieser Unternehmen: Mit 35% setzen mehr große Familienunternehmen die Balanced Scorecard ein als Nicht-Familienunternehmen (25%). Beim Einsatz strategischer Controlling-Instrumente zeigen sich mit Ausnahme der Shareholder Value-Analyse, die nur in 6,3% der Familienunternehmen aber in 36,4% der Nicht-Familienunternehmen eingesetzt wird, keine signifikanten Unterschiede. Hinsichtlich des operativen Controlling-Instrumenteneinsatzes ist sowohl bei Familienunternehmen als auch bei Nicht-Familienunternehmen ein umfassendes Standard-Instrumentarium nachweisbar. Für die Liquiditäts-, Umsatz-/Absatz- und Produktionsplanung konnte bei Familienunternehmen jedoch ein signifikant höherer Einsatz ermittelt werden.

Univ.-Prof. Dr.
Romain Rohatschek

Die EDV-mäßige Unterstützung der Unternehmensplanung erfolgt sowohl in Familienunternehmen als auch in Nicht-Familienunternehmen primär durch Tabellenkalkulationsprogramme. Bei integrierten Planungswerkzeugen werden vorwiegend Individualsoftware bzw. Eigenentwicklungen in oberösterreichischen Unternehmen eingesetzt. Zusammenfassend konnten selten signifikante Unterschiede bei den Zielsystemen, der Ausgestaltung der Controlling-Instrumente sowie der softwaremäßigen Umsetzung zwischen Familienunternehmen und Nicht-Familienunternehmen festgestellt werden. Dies widerspricht der weit verbreiteten (Literatur-)Meinung, dass die Unternehmenspolitik in Familienunternehmen mehr durch Emotionalität als durch ökonomische Prinzipien geprägt sei, und dass strategisches Denken vernachlässigt werde. Familienunternehmen sind somit wesentlich stärker durch ökonomische Prinzipien geprägt als erwartet. Ferner besteht ein hohes Interesse an Unabhängigkeit: So sind bei nicht börsenotierten Familienunternehmen kaum Eigentümer außerhalb der Familie zu finden. Ebenso ist das Risikomanagement weniger ausgeprägt. Interessant ist auch, dass Familienunternehmen den Abschlussprüfer als ganzheitlichen Berater betrachten.

Dr. Oskar Mennel

In der nachfolgenden Podiumsdiskussion „Erfolgsfaktoren für das Wachstum von Familienunternehmen“ unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Michael Tumpel wurde abermals auf die Bedeutung und das Zukunftspotential von Familienunternehmen hingewiesen. Mag. Ulrike Rabmer-Koller, Vizepräsidentin der WKO betrachtet Familien-unternehmen als wesentlichen Wachstumsmotor der heimischen Wirtschaft und fordert zukünftig einen Bürokratieabbau sowie verbesserte Rahmenbedingungen für die Unternehmensnachfolge. Prok. Mag. Andreas Steiner-Posch, Leiter der Geschäftsstelle OÖ der Investkredit Bank AG, zeigte die mannigfaltige Rolle der Banken sowie deren Bedeutung für Familienunternehmen auf. Im Schlusswort von Dr. Oskar Mennel,Verlagsleiter und Geschäftsführer des Linde Verlags, wurde die erfolgreiche Kooperation von Linde Verlag und Johannes Kepler Universität betont sowie deren Bemühen um Praxisorientierung besonders hervorgehoben.  

Diese Seite wurde zuletzt am 10.12.2008 geändert.